Schärtenspitze und Blaueiskuchen

Hoher Besuch hat sich angemeldet: der Bruder aus dem fernen Schwabenland. Was können wir ihm Schönes bieten, wo er uns doch immer tolle Touren im Allgäu und in den Lechtalern kredenzt? Nach einigem Überlegen fällt die Wahl auf die Schärtenspitze über Hochalm und Eisbodenscharte. Bis zum Gipfel nicht so übervölkert, beim Abstieg dann lockt der sagenhafte Kuchen von Gitti, der Seniorhüttenwirtin der Blaueishütte. IMG_1767Gesagt getan, wir starten bei herrlichem Wetter – nicht ganz so früh wie sonst 😏 – an der Pfeiffenmacherbrücke und wandern gemütlich hinauf zur Eckaualm, immer wieder ein toller Platz. Steiler zieht dann der Weg hinauf zur Märchenwiese, die leider langsam mit Jungbäumen zu wächst. Dort gibts natürlich eine kleine Pause auf der gemütlichen Bank vor der Diensthütte. Leider zeigt sich da schon eine langsam zunehmende, hohe Bewölkung bei relativ großer Wärme. Luftiger wirds, wenn wir die Hochalmhütte passiert haben und auf die Wiesen der Hochalm gelangen. Herrlich, dort unter den beeindruckenden Wänden, an deren Oberrand wir bald sein werden zwischen Blumen und hellen Felsen hinauf zu steigen. IMG_1807Bald wirds felsig und dann stellt steiles Geröll schon eine gewisse Anforderung dar.

Und dann empfängt uns unter den krassen Wandabbrüchen des Blaueisgrates die Rinne, die uns zur Eisbodenscharte hinauf leitet. Immer wieder hübsch mit leichter Kletterei, viel Drahtseil gibts inzwischen gegenüber früher. Wir ,üssen hier daran denken, wie unsere Hündin Jessy, als sie schon nicht mehr ganz so fit war, ein Stück abgestürzt ist – glücklicherweise hat sie sich nicht ernsthaft verletzt.

IMG_1838Besonders toll dann auch, am schmalen Grat über Wiesenstücke und Felsen hinüber zu turnen zum Gipfel der Schärtenspitze, der eigentlich gar kein Gipfel ist, sondern eine steil abbrechende Stufe im Grat – in den Westalpen würde man das vielleicht als (Riesen-)gendarm bezeichnen.
Und hier jetzt kommen wir unter die Leute. Am Gipfel wird geplaudert, man macht so manche nette Bekanntschaft, auch ein überaus sympathischer Hund ist dabei. Das Wetter lässt ein wenig zu wünschen übrig, der Hochkaltergipfel hüllt scih, wie auch die anderen hohen berge schon etwas in Wolken, und im Südwesten kommt eine garstige, grau-schmutzige Walze auf uns zu. Deswegen brechen wir auch bald auf, außerdem ruft der Kuchen nun mit verstärkter Kraft. Über Schuttbänder, kleine Felsstufen und durch Kamine und Rinnen geht es die steile Flanke hinunter ins Blaueiskar, wo uns ein paar Regentropfen erwarten.IMG_1890 Aber – der Duft des Kuchens ist fast schon zu riechen – und so sitzen wir bald in der Stube der Hütte. Die Hangs freuen sich über unser mitgebrachtes neues Buch (40 Hüttentouren im Berchtesgadener Land), in dem ihrer Hütte ein Kapitel gewidmet ist und in dem sich ein Bild der Familie befindet – und wir erfreuen uns an den hervorragenden, riesenhaften Kuchen von Gitti. Regina, die sympathische Jungwirtin, kommt mit ihren beiden Kleinen an unseren Tisch und plaudert ein wenig.

So vergeht die Zeit schnell, und der Aufbruch ist nicht zu vermeiden, wenn wir nicht doch noch in den Regen kommen wollen. Schnell gehts hinunter, bei der hübschen Schärtenalm trennen wir uns, Brigitte steigt mit dem Besuch einen netten Weg zum Hintersee ab, ich gehe schnurstracks wieder zum Ausgangspunkt zurück und fahre das Auto zum Hintersee. Dort muss ich nur 15 Minuten warten, dann komt die Manschaft schon an, und ein herrlicher Tourentag geht zu Ende.