Sommeranfang im Schneetreiben

Heute soll endlich mal antenbergers blog wieder belebt werden, nachdem er über ein Jahr im »Winterschlaf« verbracht hat.
Nach 2 Monaten Chile-Sommer (vielleicht findet diese Zeit ja auch noch Aufnahme in den Blog – verdient hätte sie es!) hatte wir auf noch ein paar tolle Skitouren und einen super Start in die Somemr-Bergsaison gehofft. Aber gefehlt: zweimal beide so richtig krank, meistens schlechtes Wetter und dazwischen ein paar hübsche Unternehmungen, das ist die Bilanz von zwei Monaten Heimat!
Nun wollten wir aber »ran«. Nachdem mal wieder eine zumindest durchwachsenes Wochenende bevor stand, sich außerdem wieder etliche Besuche angemeldet hatten, musste am Sonntag – immerhin der 21. Juni und damit Sommersonnwende! – etwas geschehen.
Die Konsultation der Wetterberichte war eher ernüchternd. Die ZAMG erweckte immerhin für Ost- und Südtirol Hoffnung auf ein paar Sonnenstunden. Also entschlossen wir uns, am Sonntag ganz frü aufzustehen und uns die lange Fahrt über den Pinzgau durch den Felbertauerntunnel anzutun.
30 Minuten vor dem Wecker um 4 Uhr war ich wach und voller Energie. Am Abend vorher hatte es noch in Strömen geregnet, jetzt hörte ich zumindest keine Regentropfen mehr. Also schnell ins Bad und Frühstück bereitet. Die Straßen waren leer und nass, die Berge steckten in Wolken, und dann fing es auch noch an zu regnen. Na toll!
Im Salzachtal schien es etwas lockerer zu werden, Hoffnung keimte auf, dass hinter den tief verschneiten und in dunkle Wolken gehüllten Gipfeln der Tauern strhalender Sonnenschein herrschen könnte … (träumen darf man ja wohl noch, oder?)

Und dann hinter dem Tunnel: Grau, Nieselregen. Sch…! Und dafür das frühe Aufstehen und die weite Fahrt ! Vielleicht tut sich ja noch was. Also erst einmal eine Tasse Kaffee im Matereier Tauernhaus und dann geht es los. Ist es nicht ein bisschen heller geworden? Und da, ist das nicht ein schüchterner Sonnenstrahl?

Durch saftige, tropfnasse Weiden mit eifrig mampfenden Kühen stapfen wir zum Beginn des Steiges hinauf zum Löbbensee. Vielleicht können wir ja trotz des Schnees den Wildenkogel erreichen – wenn eventuell das Wetter doch noch etwas besser wird …

Nach den ersten 50 Höhenmetern fragt mich Brigitte, ob ich das »Parkzehnerl« eingeowrfen habe – »Du weißt doch, die Österreicher verstehen da keinen Spaß!« Habe ich natürlich nicht – also Rucksack abgestellt und wieder zurück, den Automaten mit 5 Euro gefüttert und im Laufschritt wieder hinauf zur wartenden Brigitte. Durch ein irres Grün, direkt neben einem wild rauschenden Wasserfall steigen wir langsam auf dem schmalen und manchmal nicht ganz leicht zu findenden Steig hinauf auf dem Wildenkogelweg. Eine kleine Waldlichtung, Wurzeln, Matsch und viel, viel Grün! Bald wird es offener, die Tauernlandschaft begeistert uns mal wieder, obwohl sich das Wetter nicht wirklich verbessert. Ganz alleine sind wir, steil ragen die Berge um uns auf, oben alles verschneit. Es nieselt leicht. Bald erreichen wir wieder einen herrlichen Wasserfall. Vor lauter Begeisterung verlieren wir die Markierung und steigen komisch steil auf der nassen Wiese hinauf. Nein, dass kann einfach nicht stimmen! Es gab zwar wenig Markierungen – aber gar keine … Also wieder ein Stück zurück, und siehe da, wir haben einen Knick im Pfad übersehen, der nach Übersteigen des Weidezauns in eine steile Rinne führt. Plötzlich kommt eine Gruppe Ziegen auf uns zu gerannt. Hell klingen die Glöckchen. Vorne dran eine große, weiße Ziege, die sehr gezielt auf uns zu stürmt, während ihre Mannschaft in etwa 5 m Entfernung stehen bleibt – auch zwei kleine Schafe sind dabei. Die Ziege wills offenbar wissen. Bis zu mir läuft sie, steckt ihre Nase überall hin, nervt Brigitte, indem sie die Schnauze in den Trinkbecher steckt und sehr zudringlich ist. Erst nach einiger Zeit lässt sie ab und steig ein paar Meter hinter uns den Graben hinauf – vor uns das kleine Ziegen-Schafvolk.
Etwas weiter oben dann, wir haben eine schöne Mulde mit kleinem Hochmoor erreicht, den Lackenboden, rennt plötzlich eine große Schafherde den Berg hinunter auf uns zu. 3-4 Meter vor uns bleiben sie dann aber stehen und schauen. Sie denken wohl, dass wir ihnen Salz bringen. Ist aber nicht so, und so ziehen sie nun bis zum See immer ei paar Meter vor uns her, als ob sie Sorge hätten, dass wir den Weg nicht finden. Der führt recht steil durch felsige, buschbewachsene Hänge hinauf zum Löbbensee. Hier wird erst einmal Pause gemacht. Wir stapfen jetzt inzwischen durch den nassen Neuschnee, es herrscht leichtes Schneetreiben, die Gipfel sind zwar mehr oder weniger frei, aber alles überzuckert und nur diffus erkennbar. Der See liegt still, es gibt schöne Spiegelungen – und die Schafe stehen auf einer kleinen Anhöhe über uns und schauen. Heißen Tee und ein paar Nüsse gibts. Der Blick in die Runde und nach oben sagt uns, dass wir keine Lust haben, jetzt weiter zu gehen. So brechen wir nach einer nicht allzu langen, kalten Pause wieder auf und steigen den rutschigen Weg vorsichtig wieder duech das steile Gelände ab. Am Lackenboden machen wir nochmals eine kurze Fotopause, machen Bilder vom Almrausch und vom Wollgras, und wandern dann letztlich hinunter zum Auto.
Fazit: Die erhoffte Tour ists nicht geworden, die einsame Wanderung in der eindrucksvollen Landschaft der Hohen Tauern, die Tierbegegnungen – zum Schluss haben wir noch einmal längere Zwiesprache mit einem wunderschönen, aber sehr scheuen geschecktem Pferd gehalten. Danach blieb nur noch die unendlich lange Heimfahrt, unterbrochen nur durch den Einkauf eines traumhaften Kuchens im Café Dankl in Lofer, an dem wir nur schwer vorbei kommen (und das eigentlich auch gar nicht vorhaben 😉 )